Mamming. (ez) „Jeder will alt werden, nur keiner will alt sein“, so Renate von Riedesel, die Vorsitzende des Seniorenbeirates Mamming. Dieses alt sein kann sich vielschichtig gestalten. Es sei eine große Gemeinschaftsleistung, die in den Familien hier zu tragen sei. Hier ist man froh, wenn man Hilfestellung erhält.
Auf Empfehlung von Erwin Geigenberger hat man eine Fachfrau zum Vortrag eingeladen, nämlich die gelernte Altenpflegerin und studierte Pflegewirtin Stephanie Leupolt. Sie ist Leiterin der Pflege im BRK Kreisverband Dingolfing-Landau und zugleich stellvertretende Kreisgeschäftsführerin. Und sie ging auf das Thema „„Pflegen belastet - Kräfte erhalten durch Nutzung von Entlastungsangeboten“ näher ein. Welche Gelder stehen mir zur Verfügung? Welche Angebote kann ich nutzen? Wie und wo kann ich entsprechende Anträge stellen? Tagepflege, häusliche Pflege, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, Essen auf Rädern, Anpassung des Wohnraumes, Kurse für pflegende Angehörige – diese wichtigen Punkte und Möglichkeiten „brennen auf den Nägeln“, wenn der „Ernstfall“ eintritt. Die Dipl.-Pflegewirtin Stephanie Leupolt stellte damit die Leistungen der Pflegekassen und Angebote des BRK Kreisverbandes übersichtlich dar und vor. Denn Ziel aller soll es sein, „dass die Pflege zu Hause noch lange Zeit gelingt“.
Leistungen der Pflegekassen
Zunächst ging sie auf die Leistungen der Pflegekassen näher ein. Hier sind je nach Pflegegrad verschiedenen Summen für Sachleistungen in der ambulanten Pflege, Pflegegeld bei Pflege ohne Pflegedienst, für Betreuung und Entlastung, für die Tagespflege und die Vollstationäre Pflege vorgesehen. Sie verwies dabei zudem auf die Beantragung des Landespflegegeldes, das einmal jährlich ausgezahlt wird. Für die Wohnraumanpassung, für Kurzzeit- und Verhinderungspflege, für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch und auch weitere Hilfsmittel sind Gelder erhältlich. In diesem Bereich werde der Umbau in eine behindertengerechte Wohnung bis hin zu Windeln oder auch Rollstuhl und Pflegebett monetär unterstützt. Der Weg zum Pflegegrad beginne mit dem Antrag bei der Pflegekasse. Es komme dann ein Gutachter ins Haus, der nach der Begutachtung der zu pflegenden Person den Pflegegrad ermittelt. Die Entscheidung fällt die Pflegekasse und erlässt den entsprechenden Bescheid. In der Begutachtung werden die Selbständigkeit und Fähigkeiten in sechs Lebensbereichen (Modulen) geprüft und erfasst: Mobilität, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Selbstversorgung, Bewältigung von und selbständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und soziale Kontakte.
Vorbereiten kann man sich auf den Termin, in dem man Kopien entsprechender Unterlagen bereitlegt: aktuelle Berichte von Ärzten und Fachärzten, aktuelle Entlassungsberichte vom Krankenhaus oder Reha-Einrichtung, Medikamentenplan, Schwerbehindertenausweis (wenn vorhanden), Liste der genutzten Hilfsmittel (Brille, Hörgerät, Gehstock, Rollator, Vorlagen, ...), Pflegedokumentation (wenn Sie schon einen ambulanten Pflegedienst haben) oder eigene Notizen über den Verlauf der Pflege und Schwierigkeiten. Sinnvoll sei es, dass ein Angehöriger oder die Pflegeperson bei der Begutachtung dabei ist.
Ambulanter Pflegedienst
„Unser Ambulanter Pflegedienst ist Ihre Lösung“, so Stephanie Leupolt. Denn von Seiten des BRK biete man ein vielfältiges Spektrum an. Von der Grundpflege, Behandlungspflege, Verhinderungspflege bis hin zur hauswirtschaftlichen Versorgung, der individuellen Dementenbetreuung oder auch Beratungsbesuchen nach § 37.3 SGBXI und Kursen für pflegende Angehörige. Außerdem habe man das Angebot der Tagespflege, das die Lücke zwischen ambulanten Diensten und stationären Angeboten schließe. Ziel ist es hier, alternde Menschen, demente Menschen und Menschen, bei denen eine Heimunterbringung nicht gewünscht oder nötig ist, die soziale Betreuung und auch Pflege zukommen zu lassen. Gäste der Tagespflege haben einen geregelten Tagesablauf mit sinnvollen Beschäftigungen, eine Abwechslung vom Alltag oder auch das Erleben von Gemeinschaft. Die Alltagskompetenzen werden durch entsprechendes Angebot gestärkt und die aktive Mitgestaltung angeregt. Für Angehörige wird Beratung, Entlastung und Unterstützung ermöglicht.
Das BRK biete zudem den betreuten Fahrdienst an. Geschultes Fahrdienstpersonal bringt die Gäste sicher und bequem in die Tagespflege und nach Hause. Auch diese Kosten können über das Tagespflegebudget beglichen werden. Weiter ist es möglich, über den betreuten Fahrdienst Fahrten zu Arztpraxen, zu medizinischen Einrichtungen (z. B. Dialyse), zu therapeutischen Einrichtungen oder auch Einkaufs- und Freizeitfahrten mit Freunden und Bekannten vorzunehmen. Viele dieser Fahrten werden direkt mit der Krankenkasse abgerechnet.
Hausnotruf und Essen auf Räder
Auch der „Hausnotruf“ wird vom BRK angeboten. „Lange gut leben – älter, bunter, sicherer“ ist hier das Motto. Ein Druck auf die Notruftaste genügt, dass im Notfall innerhalb weniger Sekunden über die Satelliten-Ortung der „Geschädigte“ gefunden werden kann. „Unser Mobilruf ist beides, Hausnotruf und Mobilruf in einem!“. Der Mobilruf lässt sich dabei mobil wie ein Handy verwenden, besteht aus einem Handsender, der an einer Halskette oder als Armband getragen wird und per GPS geortet werden kann. Der Hausnotrufanschluss besteht aus einem Basisgerät. Im Notfall sind die Mitarbeiter immer für die Menschen da. „Sie haben jederzeit sofort Kontakt zur Notrufzentrale – mit nur einem Knopfdruck“. Innerhalb von Sekunden wird Hilfe vor Ort organisiert. Durch einen hinterlegten Wohnungsschlüssel in einer BRK-Rettungswache in der Nähe gelangt der Rettungsdienst dann problemlos zum Geschädigten und kann Hilfe leisten. Ein weiteres Extra, das das BRK anbiete, ist das Angebot „Essen auf Rädern“. Hier könne aus verschiedenen Gerichten ein „persönliches Menü“ zusammengestellt werden, das dann tischfertig nach Hause geliefert wird. Von der leichten Vollkost bis hin zu Diabetiker-Menüs oder Menüs zur gewichtskontrollierten Ernährung oder sogar pürierte Kost – das Angebot ist individuell auf die Bedürfnisse abgestimmt.
Text und Bild: Monika Ebnet, veröffentlicht Dingolfinger Anzeiger