Ist Dingolfing gegen Terror gerüstet?

Veröffentlicht am 29.08.2017
REBEL-Ausbilder Daniel Haider (von links), Rettungsdienstleiter Rudolf Klingl und Kreisgeschäftsführer Anderas Endl.

BRK führt neue REBEL-Sets für besondere Einsatz- und Terrorlagen auf Rettungswägen ein.

 

Dingolfing. Der BRK-Kreisverband Dingolfing-Landau wappnet sich für Einsätze nach Terroranschlägen. Bei einem Pressetermin stellte der Leiter des Rettungsdienstes Rudi Klingl gemeinsam mit dem REBEL-Ausbilder und Rettungsassistenten Daniel Haider sowie dem Kreisgeschäftsführer Andreas Endl das sogenannte „REBEL-Set“ vor. Hintergrund der Einführung von „REBEL“ (Rettungsdiensteinsätze bei besonderen Einsatzlagen), einer militärischen Sanitätsausrüstung, seien die Attentate in den vergangenen Monaten in Europa gewesen, so die Pressesprecherin des BRK-Landesverbandes in München.

Tourniquets, Hämostyptika oder EZ-IOs. So und noch komplizierter nennen sich die Bestandteile des in ganz Bayern neu eingeführten REBEL-Sets auf den Rettungswägen und Notarztfahrzeugen im Landkreis. Bei ihnen handelt es sich um medizinische Ausrüstung, die dann zum Einsatz kommt, wenn es wirklich kritisch wird.

Großschadensereignisse mit vielen Verletzten, ein Amoklauf, eine Messerstecherei. All das sind Szenarien, die auch für den Rettungsdienst nicht alltäglich sind, vor allem nicht in einer beschaulichen Stadt wie Dingolfing. „Trotzdem muss man sich der heutigen Zeit anpassen und vorbereitet sein“, so BRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Endl: „Ausschließen kann man so etwas leider nie.“ Und so ist auf Empfehlung des Innenministeriums Bayern auch der Landkreis in Sachen Ausstattung und Ausbildung für besondere Einsatzlagen und Terror gerüstet.

Sechs Unterrichtseinheiten dauert die Schulung für das neue „Paket“, das seit Januar in den Rettungswägen, Notarztfahrzeugen und im Katastrophenschutz zu finden ist. Rettungsassistent Daniel Haider ist Ausbilder für diese neue Ausstattung. Er bringt hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern des Rettungsdienstes bei, wie die neuen Gerätschaften angewendet werden, zum Beispiel wie ein Amoklauf ablaufen kann oder welche Verletzungsmuster vorgefunden werden können. „Die Schulung ist wichtig, damit solche Einsätze in geregelten Bahnen verlaufen“, erzählt der Ausbilder.

Schuss- und Stichverletzungen, Amputationsverletzungen, schwere Knochenbrüche, Verbrennungen, starke Schmerzen und hoher Blutverlust – mit all dem muss bei einem Großschadensereignis, Amoklauf oder Terroranschlag gerechnet werden. „Die meisten der Gegenstände des REBEL-Sets sind militärisch erprobt und waren schon zuvor im militärischen Einsatz“, erklärt Haider. Tourninquets sind nichts anderes als Abbinden, die bei stark blutenden Wunden oder Amputationen verwendet werden. Und Hämostyptika können auf schweren und lebensbedrohlichen Verletzungen zur Blutstillung gegeben werden. Ein EZ-IO ist ein kleiner Bohrer, der Infusionsnadeln direkt in den Knochen bohrt, falls keine Vene gefunden werden kann. Außerdem sind in dem REBEL-Set zum Beispiel weitere Infusionen mit Zubehör, Verbandsmaterial, eine zusätzliche Beckenschlinge, Schienungsmaterial sowie weitere Medikamente zur Schmerzbehandlung vorhanden.

„Das REBEL-Set mussten wir bisher noch nicht hernehmen“, sagt der Leiter des Rettungsdienstes Rudi Klingl erleichtert, trotzdem spare man es auch nicht auf. „Wenn ein schwer verletzter Patient, der einen Motorradunfall hatte oder in einem Fahrzeug eingeklemmt ist, das braucht, dann kriegt er es auch“, ergänzt Daniel Haider. Denn, es müssen nicht immer Amok und Terror sein, die den Einsatz des REBEL-Sets und der Schulung nötig machen. „Bei einem Fahrzeug, das in eine Personengruppe rast, reicht die Kapazität des Regel-Rettungsdienstes schon nicht mehr aus“, weiß Endl. Deshalb werden für besondere Events, wie den Kirta auch spezielle Sicherheitskonzepte aufgestellt, an denen neben dem Rettungsdienst auch Polizei, Feuerwehr und die Stadt beteiligt sind.

Angenommen an einem Kirtawochenende bricht Panik in einem Bierzelt aus, hunderte Besucher laufen schreiend zum Ausgang und quetschen sich aus den Zelttüren, viele verletzten sich dabei, manche werden sogar überrannt – Eine Horrorvorstellung. Trotzdem möglich. In solch einer Situation kommt neben dem anwesenden Sanitätsdienst auch direkt die Polizei. „Die Zusammenarbeit mit der Polizei ist in solchen Situationen extrem wichtig“, so Klingl. Die Polizei sichert die Lage und gibt die Freigabe für die Sanitäter. Diese sind die Erstversorger, bis der Rettungsdienst sowie ein Rettungsdienstleiter, der Leitende Notarzt sowie ein Organisatorischer Leiter des Rettungsdienstes vor Ort sind. Bei der Bestätigung einer besonderen Einsatzlage leitet die ILS (Integrierte Leitstelle) in Landshut die „Einsatztaktik für besondere Einsatzlagen“ ein. Auch die verschiedenen Sondereinsatzgruppen wie die SEG Sanität, Behandlung und Betreuung sowie die Unterstützungsgruppe Rettungsdienst (UGRD) Marklkofen oder auch die Wasserwacht können in solchen Fällen mit alarmiert werden. Klingl außerdem: „Wir haben sechs Rettungswägen im Kreisverband, die alle im Notfall besetzt werden.“ In so einem Fall kann es dann vorkommen, dass sogar der Kreisgeschäftsführer aus seinem Büro kommt, in Einsatzkleidung hüpft und einen Rettungswagen besetzt. „Wenn es drauf ankommt, wird das ganze Hauptamt abgezogen“, sagt Endl selber.

Aber nicht nur der Rettungsdienst, sondern auch die Polizei fährt in solchen besonderen Situationen ein recht großes Aufgebot auf. Der Pressesprecher der Polizei Niederbayern Günther Tomaschko berichtet dem Dingolfinger Anzeiger dazu von einem Trainingszentrum in Pilsting, in dem Beamte aus Niederbayern und auch die Dingolfinger Polizisten oft mehrmals im Jahr zum Trainieren von unterschiedlichen Szenarien hinfahren. „Situationen wie zum Beispiel auch ein Amoklauf werden dort nachgestellt und trainiert. Das nennt sich dann ‚Polizeiliches Einsatzverhalten‘“, erzählt Tomaschko. Bei all dem Training, welches Polizei, Rettungsdienst aber auch die Feuerwehr absolvieren, bleibt doch trotzdem immer noch die Hoffnung im Hinterkopf, dass die Einsatzkräfte das Erlernte nie anwenden müssen.

„Wir können uns jetzt ja nur wünschen, dass unsere REBEL-Sets nie in den Gebrauch kommen“, so der Rettungsdienstleiter. Und auch die Polizei in Dingolfing bleibt optimistisch: „Wir hoffen natürlich, dass der Ernstfall eines solchen Ereignisses niemals eintritt.“

Quelle: Dingolfinger Anzeiger

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